Die mysteriöses Wehr oder Schleuse am Westlichen Bug bei Terespol / Brest Litovsk

Gedanklich ist ja meine Auszeit schon im Kopf fest eingebettet und sie bewegt sich wie ein kleiner Fötus. Mal ein Strampeln hier, mal eine kleine Bewegung dort und manchmal Ewigkeiten lang nichts.

Wie schon öfter angedeutet: ich hatte ja ursprünglich vor, den Bug zu befahren. Genauer gesagt den Westlichen Bug. Alternativen gab es auch noch zwei dazu. Alle drei Pläne hatten wie bei einer Ampel die Farben rot bis grün von mir verpaßt bekommen. Der Bug war ursprünglich grün auf meiner Ampel und ist nach dem ganzen kriegerischem Krim-Chaos gelb geworden.

ABER der Bug war immer mal mein Traum und er geht nicht so einfach weg aus meinem Kopf. Die besonderen Reize des Flusses sind zum einen der Fluß als Grenzfluß mit drei angrenzenden Ländern, der Fluß als Mittel- und Angelpunkt vieler geschichtlicher Ereignisse und auch die Stadt Brest, die den Fluß einfach so in der Mitte seines Grenzverlaufes einfach mal für alle zerhackt, die diesen Bereich mit einem Boot befahren wollen.

Das ist sie: die Festung Brest
Das ist sie: die Festung Brest (Hier entnommen http://wikimapia.org/#lang=de&lat=52.082987&lon=23.634253&z=14&m=b&permpoly=858)

Die Stadt Brest selber – manch einer hat sie vielleicht, so, wie ich, noch aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung – ist für mich verdammt interessant mit seiner Festung und den dazugehörigen Festungsanlagen. Die Stadt Brest selber liegt auf der weißrussichen Seite des Bug und angrenzend drückt dort die Festung in den Fluß. An dieser Festung vorgelagert gibt es noch sowas wie einen “Vorbau”, welcher aber auf der anderen Seite des Bug liegt und von einem weiteren Graben umgeben ist.

Dieser “Vorbau” gehört zu Weißrussland. An dieser Stelle ist der Bug nicht befahrbar. Es ist schlichtweg verboten. Hier der Erlaß im Netz: http://edziennik.lublin.uw.gov.pl/WDU_L/2010/89/1630/Akt.pdf (Und nochmal versucht zu übersetzen). UND auch der Bereich weit vor und hinter diesem Bereich, noch im Zweiländer-Grenzgebiet liegend, ist strengstens gesperrt. Der Grund? Ich habe keine wirkliche Ahnung, warum das so knallhart durchgezogen wird – es wäre bestimmt nicht schlimm, täte man den Bootsfahrern des Buges eine Transitzone lassen…. Hmmmm. Na ich tippe mal auf Befindlichkeiten, auf reine politische, auf Stolz, auf was weiß ich nicht alles. Somit muß ich als Paddler noch weit vor Brest den Bug verlassen und irgendwie sehen, wie ich die 5 km über Land zurücklegen kann. Die Punkte sind klar definiert ab wo Schluß ist und ab wo es dann wieder weitergehen darf. Die Punkte sind Grenzsteine. Diese sind, wie an allen Grenzen üblich, nummeriert und von der Farbgebung (polnisch weiss/rot) von der Gewässerseite (hoffentlich) gut zu sehen. Also alles zwischen den Grenzsteinen 1259 und 1269 ist tabu.

Grenzsteine entlang des Bug im Bereich Brest
Grenzsteine entlang des Bug im Bereich Brest

Anmerkung: ….falls jemand auf die Idee kommt, den Graben um diesen “Vorbau” zu paddeln: nur zu! Es ginge (die Grabenmitte ist auch die Grenzlinie), nur reicht das Wasser wohl nicht wirklich – die Grenzer begründen das zumindest, wenn sie Dich vor Terespol / Brest fuchtelnd und am linken Ufer an Land winken. Theoretisch sollte es wohl möglich sein – ich habe bis heute noch nirgends einen Bericht gesehen… ….ach ja: das Anlanden dann ist verboten (deswegen muß man ja auch vorher schon raus…

Mein Interesse der letzten Tage galt mal dem frühstmöglichen Wiedereinstiegspunkt auf meiner Route hinter der Stadt Brest gesehen. Hier, am Grenzstein 1269, gibt es die Reste eines recht interessanten Bauwerkes. Leider nur noch Reste.

Die Reste des Bauwerkes stammen von einem ganz interessanten Wehr, welches einen  Bestandteil der Verteidigungsanlage der Festung Brest darstellte.

Das Wehr muß ein verdammt großes, imposantes Bauwerk gewesen sein, denn der Fluß ist breit an dieser Stelle und hat ordentlich Strömung und ich nehme mal an, daß es noch eine Schwelle im Wasser geben muß – ich nehme es mal an, denn auf einigen neueren Karten ist da noch was angedeutet.

Ein Bild dazu ist hier zu finden: https://audiovis.nac.gov.pl/obraz/92316:1/

Es gibt so gut wie keine Beiträge dazu im Netz der Netze… Leider. Ich konnte nur diesen hier noch finden: http://prochowniaterespol1.blogspot.de/2013/02/sluza-na-bugu-k-terespola.html (mit Google Translate ist leider – wie immer mit Google Translate – nur mit viel Fantasie etwas zu diesem Bauwerk an Infos zu erhaschen)

Links oben das besagte Wehr, unten die Lage eines ehemaligen Dammes mit Brücke - heute die Brücke des Grenzüberganges...
Links oben das besagte Wehr, unten die Lage eines ehemaligen Dammes mit Brücke – heute die Brücke des Grenzüberganges… (Google Maps entnommen)
Anfänglich war der Fluß noch ganz wo anders und grub sich erst später sein heutiges Bett
Anfänglich war der Fluß noch ganz wo anders und grub sich erst später sein heutiges Bett
Entweder man hat sich vertan beim Zeichnen der Karte - hier ist eine Schleuse eingezeichnet, wie ich sie nirgends sonst finden kann
Entweder man hat sich vertan beim Zeichnen der Karte von 1919 (KdwR_N33_Brest_Litowsk.jpg) – hier ist eine Schleuse eingezeichnet, wie ich sie nirgends sonst finden kann
Auf einer recht aktuellen topografischen Karte taucht tatsächlich wieder etwas von Wehr auf, was es so aber nicht mehr gibt - vermutlich die Schwelle oder eine Steinschüttung? (Quelle http://mapy.geoportal.gov.pl/imap/)
Auf einer recht aktuellen topografischen Karte taucht tatsächlich wieder etwas von Wehr auf, was es so aber nicht mehr gibt – vermutlich die Schwelle oder eine Steinschüttung? (Quelle http://mapy.geoportal.gov.pl/imap/)

Ach ja, der Bug. Ein Traum und noch soooo weit weg.

Übrigens hat ein polnischer Paddler eine schöne Tour 2010 auf dem Bug hinter sich – auch mit Grenzhubschrauber- und wohl auch mit Wärmebildkamera-Begleitung. Hier seine Bilder (https://picasaweb.google.com/103999092747781347181/Bug2010) und dann sein Bericht http://czekuch.bloog.pl/id,6229680,title,Bug-rzeka-graniczna,index.html (und hier wieder über Google Translate – grausam – ich weiß es)… Na ja und sein Boot umtragen mußte er übrigens auch (das betrifft jeden, nicht nur die Nicht-Polen)…

 

Download PDF

Sabbatial auf Eis

So. Damit lege ich meinen Traum auf´s Eis. Eine angeplatzte Seifenblase ist eine geplatzte. Ewig drauf gespart und nun zu 50% zerstört. Ob das wieder zu flicken ist? Schauen wir mal. Die Enttäuschung ist groß. Sehr sogar.

Download PDF

Die Ukraine – der Westliche Bug rückt weiter aus meinem Blickfeld

Früher hatte ich es noch so gelernt: die Bedrohung kommt vom Westen. Nun scheint es völlig umgekehrt zu sein. Russland läßt seine Armee in die Ukraine einmarschieren. Und wie bei jedem Krieg heut zu Tage ist die Begründung fadenscheinig. Die Ukraine hat eine absolut kleine Armee und sie ist außerdem auch noch völlig schlecht ausgestattet. So gut wie bankrott ist das Land auch noch. ABER es liegt wie ein Keil ins russische Land hinein…

Man redet ja hier nicht grad von Krieg. Sicher nur, um es nicht noch schlimmer darzustellen auf diplomatischer Ebene. Ob es einzig nur die Krim ist, die ja sehr interessant ist für die Militärs? Ist es die NATO, welche so langsam dichter an Russland rückt, wenn Ukraine vielleicht Ambitionen hat in diesen Verein einzutreten? Oder sind es mal wieder Rohstoffe wie Kohle, Erze, Erdgas oder Erdöl? Bisher hatte ich immer noch Verständnis versucht aufzubringen, denn die Russen haben nun mal andere Mentalitäten und Ansichten als wir. Aber hier versteh ich die Rotsterne nicht mehr. Das ist doch eigentlich schon eine Kriegserklärung – ein Überfall auf ein Land, oder nicht?

Die NATO würde sich hüten einzumischen. Und auch sonst werden den Russen internationale Sanktionen nichts ausmachen, sollte es welche geben. Sanktionen sind immer nur so gut, wie auch alle mitziehen, was wie immer nie passiert. Dann fragt sich auch immer was sanktioniert wird und wer darunter leiden darf.

Mein Tip: egal, was Putin macht, es wird nicht wirklich was passieren, was ihn zum Nachdenken, zum Umlenken, zum Aufgeben zwingt. Putin macht sein Ding und bleibt völlig unbeschadet und alles draußen herum jammert und klagt, weil es so erwartet wird, aber kein Land wird was ernsthaftes gegen ihn unternehmen (können). Ich leg den Bericht mal auf Wiedervorlage.

Mal schauen. Ich muß mal auch die andere Seite sehen. Mal schauen, wie es die Russen darstellen. Ich bin ja wie immer verblendet von unserer eigenen Propaganda. Irgendwo dazwischen wird wohl die Warheit liegen. Ich brauche noch Zeit das alles beurteilen zu können.

Mit dieser ganzen momentanen Situation tut sich die Ukraine, genauer der Westliche Bug, Wohl oder Übel disqualifizieren als Ausgangspunkt meiner über 1300km langen Paddeltour. Die Planung werde ich wohl umbauen müssen.

Download PDF