9. August – Rückweg nach Narvik.

Gegen 9 aufgestanden gefrühstückt, gepackt und losgelaufen. Wir waren zwischen den Wolken. Oben in den Gipfeln und unten im Tal nur weiße Wasserwatte und wir dazwischen.

Kaum losgelaufen, fing es an zu schütten. Ich konnte nichtmal mehr Fotos machen – so nass war mein Handy.

Mehrere Autos entgegenkommend: der erste Fahrer verstand uns nicht – mindestens 10 km bis Fjelbu und Norge sowieso only.

Die anderen konnten, wie wir, nur wenig Englisch. Narvik ist aber das einzige Krankenhaus und wir bekamen eine Taxi-Nummer (nur nicht den Empfang dazu)…

Das waren die einzigen Autos für die nächsten Stunden und wir waren frustriert und frustrierter. Wir sind gut eine Ewigkeit zwischen den Wolken gelaufen. Soviel Regen auf einem Haufen. Der kam heute von überall. Erst ab 15 Uhr gab es keine Tropfen.

Gegen Mittag, wir waren nun völlig durchnäßt, kam von hinten ein weißer Toyota und darin der Norweger von heute früh um 10…

Und der Charme siegte in Verbindung mit unserem bestimmt jämmerlichen Aussehen: der alte Mann stieg aus und nahm uns mit.

Er nahm uns nicht nur mit, er fuhr und fuhr. Nach 20 Minuten fuhren wir an Fjelbu vorbei und er wollte uns wohl bis in Richtung seines zu Hauses mitnehmen.

Dann, nach über einer halben Stunde Fahrzeit in seinem molligen Auto, fuhr er langsamer und hielt und zeigte uns am Berg im Wald, weit weg von der Straße ein schickes Haus und gab uns zu verstehen, daß er dort wohne.

Es schüttete aus Eimern und er meinte, daß Narvik nochmals 40 km weit weg sei.

Dann fuhr er langsam weiter.

Er fuhr uns dann bis Narvik zum Touristenzentrum.

Wir drückten uns herzlich und dankten nur, was wir danken konnten. Er schrieb uns seinen Namen und seine Adresse auf. Er war 88 Jahre alt und eigentlich nur zum Moltebeerensammeln im Fjell…

Sowas gibt es auch noch…

Dann suchten wir uns eine Bleibe. Das Hostel war leider ausgebucht. Wir sind dann im zweitbilligsten Hotel der 50er Jahre abgestiegen.

Dann waren wir trockene Socken und Schuhe kaufen – was war das für ein Anblick der Verkäuferin… alleine der Geruch unserer nassen Schuhe und Socken. Zu komisch.

Hiernach sind wir mit trockenen Füßen hoch zum Hospital.

Notaufnahme auf Norwegisch?

Was soll ich sagen? Mit unserem lütten Englisch haben wir erfahren, daß Anton eine eitrige Nagelbettentzündung hat und ich, nach dem X- Ray, einen verstauchten Knöchel. Viel Ruhe für meinen Fuß. Kühlen. Ibus und einen Kühlpack gab es mit auf den Weg. Das war es. In zwei oder drei Tagen solls weg sein.

Das X-Ray mußte ich, wie auch die Norweger, selber bezahlen. „Das ist das norwegische System.“ wurde mir vom Arzt bestätigt. Den Rest übernahm unsere Krankenkasse. Antons auch – ganz ohne Karte.

Auf dem Rückweg (es war mit der Zeit schon 18 Uhr durch), waren wir noch Fastfood futtern…

… und bei Spar. Wir wollten uns im Hotel Birnencider einverleiben. Nachdem eine Büchse hier 6 Euro kostet, kamen wir zum Bierregal. Ohoh. Die Preise erklären, warum es hier keine Kästen gibt… Bei den Bierpreisen dürfte es hier nicht einen Alkoholiker geben. Der Cider würde bei uns ein Ladenhüter für die Kohle sein.

Umrechnung ca. 10 Norwegische Kronen für 1 Euro

Andererseits bekommen nichtgelernte Bauhelfer einen garantierten Mindestlohn von 20 Euro. Das sind Relationen, bei denen wir nicht mehr mitkommen.

Na ja. Nun sitzen wir hier. Die Nacht (oder was so die paar Stunden Dauerdämmerung darstellen), wird bald anfangen.

Bei 36 Zimmern sind wir scheinbar die einzigen Gäste. Es ist schon etwas gruselig. Die Bar ist leer, vom Restaurantfeeling ist nichts zu merken. Es gab hier mal bestimmt bessere und schönere Zeiten. Der Boom scheint vorbei. Dabei würde eine gestrichene Fassade schon viel ausmachen. Prinzipiell ist es ja sauber, nur wurde hier schon ewig nicht mehr investiert. Schade.